Die Erfolgsgaranten ohne Ball in der Hand - Interview mit unserem Team-Manager Ingo Catak

SG Pforzheim/Eutingen:
Nach deiner langjährigen Karriere als Spieler und Kapitän bist du in die Rolle des neu geschaffenen Team-Managers geschlüpft. Was dürfen wir uns unter dieser Aufgabe vorstellen?
Ingo Catak:
Die Rolle des Team-Managers ist für mich eigentlich kein komplettes Neuland. Durch meine langjährige Zeit als Spieler und Kapitän habe ich mich bereits mit vielen Themen und Aufgaben außerhalb des Spielfelds beschäftigt. Ich war oft die Schnittstelle zwischen Mannschaft, Trainerteam und Vorstand und habe zahlreiche organisatorische Themen begleitet und umgesetzt.
In meiner neuen Funktion liegt der Schwerpunkt vor allem darauf, Dinge für das Team zu organisieren und das Trainerteam bei verschiedenen Aufgaben zu entlasten. Dadurch können sich die Trainer noch stärker auf die inhaltliche Arbeit, die Trainingsplanung und die sportliche Entwicklung der Mannschaft konzentrieren.
Darüber hinaus unterstütze ich unseren Geschäftsführer Hendrik Beier bei verschiedenen organisatorischen und operativen Themen, die die erste Mannschaft direkt betreffen. Insgesamt sehe ich meine Aufgabe darin, die Rahmenbedingungen für das Team bestmöglich zu gestalten und als Ansprechpartner zwischen den verschiedenen Bereichen des Vereins zu fungieren, damit sich alle auf ihre jeweiligen Kernaufgaben konzentrieren können.


SG Pforzheim/Eutingen:
Dein Vater Hamza war jahrelang Trainer und ist noch Torwarttrainer. Dein Bruder Sandro ist ebenfalls Trainer. Erleben wir dich auch alsbald auf der Trainerbank?
Ingo Catak:
Nein, das ist für mich definitiv ausgeschlossen. Durch meinen Vater und meinen Bruder habe ich einen sehr guten Einblick in diesen Beruf bekommen. Darüber hinaus durfte ich auch während meiner aktiven Zeit als Spieler aus nächster Nähe erleben, was Trainer tagtäglich leisten und welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen.
Einen besonders prägenden Einblick habe ich dabei unter Alexander Lipps erhalten, unter dem ich den Großteil meiner aktiven Zeit in der ersten Mannschaft gespielt habe und der auch heute noch Cheftrainer der Mannschaft ist. Durch die enge Zusammenarbeit über viele Jahre konnte ich erleben, wie viel Arbeit, Verantwortung und Leidenschaft hinter dieser Aufgabe steckt – weit über das hinaus, was man am Spieltag von außen wahrnimmt.
Ich finde, dass es heutzutage immer seltener wird, als Trainer in einem ruhigen und geduldigen Umfeld arbeiten zu können. Viele Zuschauer sehen am Wochenende die 60 Minuten in der Halle und haben nach einer Niederlage oft schnell eine Meinung darüber, was hätte anders gemacht werden müssen. Was jedoch unter der Woche passiert, bleibt den meisten verborgen. Verletzungen, krankheitsbedingte Ausfälle oder andere Herausforderungen innerhalb einer Trainingswoche werden von außen oft gar nicht wahrgenommen.

Am Ende des Tages trägt der Trainer die Verantwortung und steht entsprechend im Fokus der Kritik. Dabei wird häufig vergessen, wie viel Arbeit, Zeit und Engagement hinter dieser Aufgabe steckt. Ich denke, wir sollten wieder mehr Wertschätzung für die Arbeit der Trainer entwickeln und ihnen auch in schwierigeren Phasen die nötige Zeit und das Vertrauen schenken. Leider leben wir in einer sehr schnelllebigen Gesellschaft, in der der menschliche Faktor oftmals zu kurz kommt. Genau deshalb habe ich großen Respekt vor allen Trainern – für mich persönlich ist die Trainerbank aber keine Option.

SG Pforzheim/Eutingen:
Was waren für dich die Highlights der abgelaufenen Saison?
Ingo Catak:
Für mich gab es in der abgelaufenen Saison gleich mehrere Highlights. Besonders beeindruckend war die Entwicklung unserer Mannschaft nach dem großen Umbruch vor der Saison.
Einige Kritiker haben uns eher im unteren Tabellenbereich gesehen. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Mannschaft diese Befürchtungen widerlegt hat und die Saison am Ende auf dem dritten Tabellenplatz abgeschlossen hat. Mit der Qualifikation für den DHB-Pokal haben wir uns zusätzlich für die starke Arbeit der gesamten Saison belohnt.
Mindestens genauso erfreulich war die Entwicklung rund um unsere Heimspiele. In den letzten Wochen der Saison konnten wir feststellen, dass die Zuschauerzahlen kontinuierlich gestiegen sind. Das zeigt, dass die Mannschaft mit ihren Leistungen die Menschen begeistert und wieder stärker an den Verein gebunden hat. Die Unterstützung von den Rängen war für die Spieler und das gesamte Umfeld eine große Motivation und hat zu der positiven Stimmung rund um die Mannschaft beigetragen.
Genau daran möchten wir in der kommenden Saison anknüpfen. Unser Ziel ist es, die sportliche Entwicklung fortzusetzen und gleichzeitig noch mehr Zuschauer für den Handball und unseren Verein zu begeistern. Die vergangene Saison hat gezeigt, was möglich ist, wenn Mannschaft, Verein und Fans gemeinsam an einem Strang ziehen.
SG Pforzheim/Eutingen:
Wir haben etliche Spieler, die noch U23 sind, d.h. deren Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Was kannst du diesen Spielern mitgeben, damit deren Entwicklung weiter geht?
Ingo Catak:
Talent ist im Leistungssport eine wichtige Grundlage, aber es allein reicht nicht aus. Zu einer erfolgreichen Entwicklung gehören vor allem Fleiß, Disziplin und die Bereitschaft, kontinuierlich an sich zu arbeiten. Die Trainingseinheiten in der Sporthalle sind dabei nur ein Teil des Ganzen. Alles, was man zusätzlich für seinen Körper und seine persönliche Entwicklung investiert – sei es Athletiktraining, Regeneration, Ernährung oder die eigene mentale Einstellung – wird sich langfristig auszahlen, wenn man den richtigen Weg konsequent verfolgt.
Wir haben in unserem Kader viele junge und talentierte Spieler. Ich teile das, dass deren Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist. Genau darin liegt großes Potenzial. Wichtig ist, geduldig zu bleiben, Rückschläge anzunehmen und jeden Tag an den eigenen Stärken und Schwächen zu arbeiten. Die Entwicklung verläuft selten geradlinig, aber wer bereit ist, den nötigen Aufwand zu betreiben, wird dafür belohnt.
Ich bin überzeugt davon, dass wir aktuell einige Spieler in unseren Reihen haben, die das Potenzial besitzen, den nächsten Schritt zu machen. In den vergangenen Jahren haben bereits mehrere Spieler den Sprung in die erste oder zweite Liga geschafft, und ich bin mir sicher, dass wir auch künftig wieder Spieler auf diesem Weg begleiten werden.

SG Pforzheim/Eutingen:
Du warst früher in deiner Karriere der Abwehrspezialist. An dir vorbeizukommen war genau so schwer, wie für dich ein Tor zu werfen. Würdest du den Spielern empfehlen, sich frühzeitig zu spezialisieren oder besser als Allrounder zu fungieren?
Ingo Catak:
Der Handball hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Das Spiel wird immer schneller und dynamischer, weshalb Spieler heute deutlich vielseitiger sein müssen als noch vor einigen Jahren. Man sieht auf höchstem Niveau immer häufiger, dass die klassischen Spezialistenwechsel zwischen Angriff und Abwehr vermieden werden, wenn es der Kader zulässt. Mannschaften profitieren davon, wenn Spieler in beiden Phasen des Spiels auf hohem Niveau agieren können.
Deshalb fällt es mir schwer, einen allgemeinen Rat zu geben, ob sich junge Spieler früh spezialisieren oder lieber als Allrounder entwickeln sollten. Jeder Spieler bringt unterschiedliche Voraussetzungen, Stärken und Entwicklungspotenziale mit. Die Herausforderung besteht darin, ein möglichst kompletter Handballer zu werden, der sowohl offensiv als auch defensiv seine Aufgaben erfüllen kann.
Natürlich wird es immer Spieler geben, die in bestimmten Bereichen besondere Qualitäten besitzen und dadurch eine spezielle Rolle innerhalb einer Mannschaft einnehmen. Dennoch sehe ich die Entwicklung im modernen Handball klar in Richtung vielseitiger Spieler. Wer verschiedene Facetten des Spiels beherrscht und flexibel eingesetzt werden kann, erhöht seine Chancen, sich auf einem hohen Niveau durchzusetzen und langfristig erfolgreich zu sein.
SG Pforzheim/Eutingen:
Unsere Mannschaft hat sich für den DHB-Pokal qualifiziert. Was wäre dein Lieblingslos?
Ingo Catak:
Rhein-Neckar-Löwen.
SG Pforzheim/Eutingen:
Im Gegensatz zur letzten Runde gibt es keinen großen Umbruch und „nur“ die Abgänge von Adam Studentkowski und Davor Sruk. Was dürfen wir aus deiner Sicht erwarten?
Ingo Catak:
Im Gegensatz zur vergangenen Saison konnten wir den Großteil unserer Mannschaft zusammenhalten. Das ist ein großer Vorteil, weil viele Abläufe bereits eingespielt sind und die Spieler sich untereinander sehr gut kennen. Natürlich werden uns mit Adam Studentkowski und Davor Sruk zwei wichtige Spieler verlassen, aber solche Veränderungen gehören im Sport dazu und bieten gleichzeitig anderen Spielern die Chance, mehr Verantwortung zu übernehmen.
Aus meiner Sicht dürfen die Fans weiterhin eine junge, hungrige und ehrgeizige Mannschaft erwarten, die bereit ist, in jedem Spiel alles zu investieren. Unser Ziel wird es sein, uns Woche für Woche weiterzuentwickeln, konstant Punkte zu sammeln und uns erneut in der oberen Tabellenhälfte zu etablieren.
Dabei ist uns bewusst, dass uns nichts geschenkt wird und jede Saison ihre eigenen Herausforderungen mit sich bringt. Dennoch bin ich überzeugt, dass die Mannschaft über die notwendige Qualität, den Charakter und den Ehrgeiz verfügt, um an die erfolgreiche vergangene Saison anzuknüpfen und die positive Entwicklung fortzusetzen.

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