Die Erfolgsgaranten ohne Ball in der Hand - Interview mit unserem Individualtrainer Sandro Catak

SG Pforzheim/Eutingen:
Nach Deinem verletzungsbedingten frühen Karriereende als Spieler hast du erfolgreich eine Trainerkarriere eingeschlagen Nach sieben Jahren beim TVS Baden-Baden hast du dein Amt jedoch zur Verfügung gestellt. Was waren deine Beweggründe?
Sandro Catak:
Ich war nun 12 Jahre am Stück als Trainer tätig und insgesamt über 25 Jahre im Leistungssport aktiv. Das ist nur mit einem enormen Zeitaufwand und großer Bereitschaft möglich und bedeutet auch, dass man viele private Dinge zurückstellt.
Meine beiden Kinder Lio und Noa (6 und 2 Jahre) sind jetzt in einem Alter, in dem ich ihnen gerne mehr Zeit widmen möchte. Das war sicherlich der Hauptgrund, warum ich mich nach sieben Jahren in Sandweier dazu entschieden habe, diesen Schritt zu gehen.

SG Pforzheim/Eutingen:
Ganz loslassen kannst du aber wohl trotzdem nicht und hast Deine Zusage geben, bei uns als Individualtrainer zu arbeiten. Was genau dürfen wir unter dieser Aufgabe verstehen?
Sandro Catak:
Ich habe mit Alexander Lipps seit vielen Jahren einen sehr engen Austausch. Wir telefonieren nahezu täglich und sprechen über die unterschiedlichsten Themen.
Vor vielen Jahren hatte ich ihm versprochen, dass ich ihn unterstützen würde, sollte ich irgendwann als Trainer aufhören insbesondere im Bereich der Jugendarbeit. Deshalb haben wir dieses Thema in den vergangenen Wochen intensiviert. Der Aufwand passt gerade gut in meine weitere Lebensplanung.
Ich bin der Überzeugung, dass bei vielen Vereinen die individuelle Ausbildung der Spieler zu kurz kommt, da oftmals die Zeit und die personellen Ressourcen fehlen, um neben dem Mannschaftstraining gezielt an den einzelnen Spielern zu arbeiten. In meiner bisherigen Trainertätigkeit habe ich immer großen Wert auf die individuelle Entwicklung gelegt.
Mein Schwerpunkt wird daher darauf liegen, die Jungs zusätzlich zum Mannschaftstraining gezielt weiter zu fördern. Dabei geht es insbesondere um Themen wie Entscheidungsverhalten, verschiedene Wurfvarianten, Täuschungen, das Anspielverhalten sowie weitere technische Inhalte, die für die individuelle Entwicklung eines Spielers entscheidend sind.

SG Pforzheim/Eutingen:
Handball ist ja bekanntlich ein Mannschaftssport, bei dem die einzelnen Abläufe gut ineinander greifen sollten. Warum benötigt es da ein Individualtraining?
Sandro Catak:
Im Handball wird am Ende jede Aktion individuell entschieden sei es durch ein finales Eins-gegeneins, einen Torwurf oder das Anspiel auf einen Mitspieler. Genau deshalb ist die individuelle Ausbildung so wichtig.
Wenn Spieler bestimmte Abläufe, Bewegungsmuster und Entscheidungen immer wieder trainieren und verinnerlichen, führt das zu besseren Entscheidungen auf dem Feld und trägt letztlich auch zum Mannschaftserfolg bei.
Am Ende sind es häufig die Spieler mit besonderen individuellen Stärken, die Spiele entscheiden können. Sie sind in der Lage, in entscheidenden Situationen Verantwortung zu übernehmen und Lösungen zu finden, wenn mannschaftstaktisch nicht alles aufgeht. Und ich denke, solche Spieler hat jeder Trainer besonders gerne in seiner Mannschaft. 

SG Pforzheim/Eutingen:
Für ein junges Handball-Talent im Alter eines E-, D- oder C-Jugendlichen ist der Wechsel vom Heimatverein zu einem leistungsorientiertem Verein mit viermaligem Training pro Woche und entsprechendem Fahrtzeiten mit einem großen Aufwand für Kind und Eltern verbunden. Was ist da Deine Empfehlung für die Kinder und Eltern in Relation zu Aufwand und Nutzen?
Sandro Catak:
Dies muss am Ende jede Familie für sich selbst entscheiden und abwägen, welchen Aufwand sie mit ihrer jeweiligen familiären Situation leisten kann und möchte.
Talente kommen irgendwann bei ihren Heimatvereinen an einen Punkt, an dem die Förderung nicht mehr ausreichend ist, um den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen. Deshalb verlassen viele Spieler ihre Heimatvereine, um ihren sportlichen Weg leistungsorientierter fortzusetzen. Damit steigen natürlich auch der Trainingsumfang und der gesamte zeitliche Aufwand deutlich an.
Ich finde es immer wichtig, die richtige Balance zwischen Schule und Sport zu finden. Nur wenn beide Bereiche miteinander vereinbar sind, können junge Spieler sich sportlich weiterentwickeln, ohne dass die schulische Ausbildung darunter leidet. Langfristig ist es entscheidend, beide Wege erfolgreich parallel zu gestalten. 

SG Pforzheim/Eutingen:
Da dein Vater Hamza und dein Bruder Ingo bei der SG schon zum Inventar zählen, bist du regelmäßig Gast in der Bertha-Benz-Halle gewesen. Welchen Jugendspielern oder Junioren traust du in den nächsten Jahren den Sprung in die 3. Liga oder darüber hinaus zu?
Sandro Catak:
Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass Spieler aus dem Talentschuppen der SG den Sprung in die Bundesliga schaffen können. Ich bin überzeugt, dass dies auch in den kommenden Jahren so sein wird.
Vor Kurzem habe ich ein C-Jugend-Spiel der SG gegen die Rhein-Neckar Löwen gesehen und war beeindruckt, welche Talente dort bereits zu sehen sind und was die Jungs in diesem Alter schon mit dem Ball leisten können. Das spricht für die hervorragende Ausbildungsarbeit, die seit vielen Jahren im Jugendbereich der SG geleistet wird.
Aktuell ist Finn Meißner sicherlich das herausragende Talent. Er hat vor kurzem als weiterer Jugendspieler den Sprung in die erste Mannschaft geschafft und in seinem ersten Jahr in der 3. Liga eine sehr gute Entwicklung genommen. Seine Fortschritte zeigen, welche Entwicklungsmöglichkeiten auch ohne ein Leistungszentrum oder Internat bestehen können, wenn Talent, Fleiß und eine gute Ausbildung zusammenkommen. 

SG Pforzheim/Eutingen:
Da du ja selbst über große Trainerkompetenz verfügst, eine provokante Frage. Was ist die größte Stellschraube, die SG-Coach Alexander Lipps verändern sollte, um noch mehr Erfolg zu haben.
Sandro Catak:
Der Erfolg der vergangenen Jahre ist eng mit seinem Namen verbunden. Gemeinsam mit der Mannschaft hat er eine sehr positive Entwicklung genommen und das Team Schritt für Schritt in Ruhe weiterentwickelt.
Nach dem großen Umbruch im vergangenen Jahr hätten wohl die wenigsten mit einem dritten Tabellenplatz gerechnet. Er hat die Mannschaft in die obere Regionen der 3. Liga geführt. Ein herausragendes Ergebnis, das die geleistete Arbeit widerspiegelt.
Kein anderer lebt diesen Verein so wie er. Er verbindet die Jugend mit dem Herrenbereich und schafft damit eine wichtige Brücke innerhalb des Vereins. Gerade diese enge Verzahnung zwischen Nachwuchs- und Aktivenbereich war in den vergangenen Jahren einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren und wird es auch in Zukunft bleiben.

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