Die Erfolgsgaranten ohne Ball in der Hand - Interview mit unserem Co-Trainer Christian Hörner

SG Pforzheim/Eutingen:
Die vielfältigen Aufgaben eines Co-Trainers sind der Öffentlichkeit meist nicht so bekannt. Kannst Du vielleicht einmal aufzählen, was alles in Deinen Zuständigkeitsbereich fällt?
Christian Hörner:
Meine Aufgaben als Co-Trainer sind tatsächlich sehr vielfältig. Ich helfe Alex bei der Planung der Trainingsinhalte, der Trainingssteuerung- und Durchführung. Dabei ist mein Arbeitsschwerpunkt definitiv das Athletiktraining. Außerdem unterstütze ich Alex bei der Gegner- und Eigenanalyse und erstelle die Spieltags- und Mannschaftsstatistiken.
Am Spieltag selbst kümmere ich mich vor dem Spiel um die technische Besprechung mit den Schiedsrichtern und dem Schiedsgericht, führe kurze Gespräche mit ein paar Spielern und verteile Kaugummis. Während des Spiels notiere ich mir die wichtigsten Informationen, die Alex dabei helfen, taktische Entscheidungen zu treffen, dazu gehören u.a. Torwart- und Trefferquoten, aber auch mit welchen Auslösehandlungen der Gegner erfolgreich ist, bzw. was bei uns funktioniert und was nicht.
Ich achte auch auf die Spielerwechsel und helfe den Spielern mit individuellen technischen oder taktischen Hinweisen.

SG Pforzheim/Eutingen:
Du bist bei uns ja nicht nur Co-Trainer, sondern auch dafür zuständig, die A-Jugendlichen möglichst früh auf das Niveau für die 1. oder 2. Herrenmannschaft zu bringen? Was ist die reizvollere Aufgabe und warum?
Christian Hörner:
Beides hat seinen Reiz. Im Jugend- bzw. im Anschlussbereich steht ganz klar die individuelle Leistungsentwicklung im Vordergrund, während es bei der ersten Mannschaft der Erfolg im Wettkampf ist. Da ist dann schon mehr Druck zu spüren und die große Herausforderung ist hier, Bedingungen zu schaffen, mit denen die Mannschaft am Spieltag maximal performen kann. Und das 30 Mal in der Saison. Aber genau das macht den besonderen Reiz aus.
Im Nachwuchsbereich kommt es, wenn überhaupt, nur in den Qualifikationsphasen zu spürbarem Druck. Ansonsten wird hier strategischer und in eher mittel- bis langfristigen Zeitabschnitten agiert. Kontinuität ist hier das Stichwort.
Die Detailarbeit beim Individualtraining mit Spielern unserer 2. Männermannschaft und insbesondere mit den Jungs aus der U21 macht auch sehr viel Spaß. Hier kann man sich auch für den Einzelspieler mehr Zeit als üblich nehmen, um technisch-taktische Fähigkeiten weiter zu entwickeln.
Wie gesagt, das sind alles sehr spannende Tätigkeitsfelder und ich will keines davon missen.

SG Pforzheim/Eutingen:
Bist Du als Co-Trainer eher der Freund der Spieler oder trittst Du den Jungs auch mal gehörig in den Hintern?
Christian Hörner:
Da muss ich etwas schmunzeln. Ich glaube nicht, dass mich je ein Spieler als einen „Players Coach“ bezeichnet hätte! Und ich will das auch gar nicht sein. Meine Aufgabe ist es die Spieler besser zu machen. Punkt! Und dazu müssen die Jungs oder die jungen Männer während dem Training ihre Belastungsgrenze, sowohl körperlich als auch geistig, erreichen, weil sich sonst kein oder ein zu geringer Leistungszuwachs einstellt. Und es gibt nur wenige Ausnahmen, die das eigenmotiviert in jeder Einheit von alleine schaffen. Den anderen muss man dabei mal mehr oder weniger „helfen“ diese kritische Reizschwelle zu erreichen. Dazu kommt, dass man in einem Mannschaftssport auch die Verantwortung für seine Mitspieler trägt, und wenn sich ein oder paar Spieler hängen lassen, sinkt dadurch auch das Trainingsniveau der ganzen Mannschaft.
Unsere Aufgabe als Trainer ist es, diese Leistungsbereitschaft in jeder Einheit mit klaren Handlungsanweisungen einzufordern, meistens lautstark, damit sie auch jeder, zumindest akustisch, versteht! Das kann einem „Tritt in den Hintern“ manchmal ganz schön nahe kommen…

SG Pforzheim/Eutingen:
Du warst ja einmal selbst Cheftrainer in der 3. Liga und sogar in der 1. Bundesliga, zumindest
interimsweise. Wie sehr juckt es Dich, wieder als Cheftrainer tätig zu sein?
Christian Hörner:
Definitiv juckt das. Aber dazu müssen neben dem sportlichen Niveau auch die übrigen Rahmenbedingungen passen. Und seit ich bei der SG bin, war da bisher nichts passendes dabei. Ich fühle mich aber hier sehr wohl und das liegt nicht nur an der 5-10 minütigen Anfahrt zum Training, sondern auch an dem oben beschriebenen Aufgabenmix.
Man muss lange suchen, wenn man einen Verein mit diesen tollen Strukturen finden will.
Dazu kommt, dass ich mit Alex auf Augenhöhe zusammenarbeiten und mich mit meinen Ideen und Vorstellungen auch einbringen und Einfluß auf die sportliche Entwicklung nehmen kann. Und dass das nicht alltäglich ist, weiß ich aus eigener Erfahrung.

SG Pforzheim/Eutingen:
Woran machst du fest, dass wir in der vergangenen Runde mit dem 3. Platz die beste Platzierung der Vereinsgeschichte erreichen konnten?
Christian Hörner:
Ich kann das an mehreren Punkten festmachen. Viele von unseren jungen Spielern haben sich toll weiterentwickelt und spielen jetzt auf einem höheren und konstanteren Niveau als zuvor. Aber wenn es um Konstanz auf hohem Niveau geht, muss ich natürlich Jule Broschwitz nennen. Er füllt das Kapitänsamt mit Leben und übernimmt wirklich Verantwortung.
Weiterhin sind wir weitestgehend von Verletzungen verschont geblieben und konnten so vom Vorbereitungsstart bis zum Saisonende die Trainingsqualität auf einem relativ hohen Niveau halten.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Mannschaftszusammensetzung. Die Mannschaft tritt als eine Einheit auf und wirkt auf und neben dem Platz viel homogener als im Jahr zuvor.
Außerdem haben wir mit Oskar Emanuel und Finn Meißner zwei Spieler dazubekommen, die in jedem Training ans Limit gehen und so die ganze Mannschaft mitreißen.
Nicht unerwähnt sollte auch unsere Torwartleistung bleiben. Adam Studentkowski und Moritz Luckert haben eine fantastische Saison gespielt und wir haben dadurch eines der besten Gespanne der Liga stellen können. Wenn man Torwarttrainer Hamza Catak und unseren Torhütern beim Torwarttraining zuschaut, weiß man auch sofort warum das kein Zufall ist.

SG Pforzheim/Eutingen:
Im Gegensatz zur letzten Runde gibt es keinen großen Umbruch und „nur“ die Abgänge von Adam Studentkowski und Davor Sruk. Was dürfen wir da erwarten?
Christian Hörner:
Das ist eine spannende Frage. Ich glaube, dass wir die Abgänge von Adam und Davor mit Paul Siegl und Caspar Mosblech kompensieren können. Ich sage das, obwohl Adam eine überragende Saison gespielt hat und mehr als jeden dritten Ball gehalten hat.
Über einen längeren Zeitraum mit der gleichen Gruppe zu arbeiten macht es einfacher, inhaltlich noch mehr Input zu geben, der dann auch verarbeitet werden kann.
Wir haben als Mannschaft noch ein paar Entwicklungsfelder offen, an denen wir jetzt verstärkt arbeiten wollen. Als ein Beispiel wäre hier das Tempospiel oder die Außenverteidigung zu nennen.
Aber ich sehe auch viele Spieler, die ihr vorhandenes Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben oder junge Spieler bei denen sich aus der Entwicklungskurve weitere Steigerungen erwarten lassen.
Ich bin mir sicher, dass wir diesen Erfolg wiederholen können. Aber einfacher wird es nicht. Die Liga ist brutal ausgeglichen. Mit Oppenweiler kommt eine Mannschaft aus der 2. Liga, die sich schon spektakulär verstärkt hat und gleich wieder hoch will. Konstanz mit Adam Studentkowski und Würzburg wollen das auch. Und Kornwestheim und Heilbronn, die vor uns waren, bleiben nahezu komplett zusammen. Es wird viele enge Spiele geben, in denen du auf den Punkt liefern musst.
Entscheidend wird aber sein, dass sich niemand mit dem Erreichten zufrieden gibt und wir - die Spieler, das Trainer-, Physio- und Betreuerteam - alles reinwerfen, um uns weiter zu entwickeln.

 

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