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Marihuana-Rauch waberte über dem Pforzheimer Jugendhandball (PZ 27.04.18)

Pforzheim. Wegen des Konsums von Marihuana wurden Ende 2017 elf Nachwuchsspieler vom Badischen Handballverband suspendiert. Die Aufarbeitung des Vorfalls fand in den Vereinen statt. Auch die SG Pforzheim/Eutingen war betroffen.

 

Als die badischen Nachwuchshandballer beim Länderpokal-Wettbewerb des Deutschen Handball-Bundes im Dezember 2017 nur den zwölften Rang belegten, wurde das von der breiten Öffentlichkeit kaum registriert. Die Fachleute aber nahmen mit Erstaunen zur Kenntnis, dass die hochgewettete badische Auswahl nur unter ferner liefen abschnitt. Warum das so ist, lässt sich schnell erklären. Der Badische Handball-Verband (BHV) hatte den Großteil der Mannschaft kurz vor dem Turnier ausgetauscht. Der Grund: Mehrere Spieler waren dabei beobachtet worden, wie sie im Trainingslager in Niedersachsen einen Joint rauchten. Die BHV-Verantwortlichen waren durch einen anonymen Hinweis alarmiert worden. Als elf von 16 Spielern, alle aus dem Jahrgang 2001, den Cannabis-Konsum auf Nachfrage von Trainern und Betreuern eingestanden, machten die Verantwortlichen kurzentschlossen reinen Tisch: Alle betroffenen Spieler wurden suspendiert. Für einige der besten Talente, die zum erweiterten Kader des Deutschen Handball-Bundes für die Jahrgänge 2000/2001 gehörten, kam der Ausschluss von weiteren DHB-Maßnahmen hinzu. „Wir wurden überrascht. Wir wurden regelrecht überrollt“, sagt Alexander Lipps. Der Pforzheimer kennt sich im Jugendhandball bestens aus. Bei der SG Pforzheim/Eutingen betreut er als Hauptamtlicher neben der ersten Mannschaft auch die A-Jugend, die in der Bundesliga spielt. Beim Badischen Handball-Verband ist er als Honorartrainer für die betroffene Mannschaft zuständig. Mit einem vielversprechenden badischen Jahrgang 2001 hatte er sich für den Länderpokal einiges ausgerechnet. Am Ende fuhr ein stark verjüngtes Team, das sich in nur drei Trainingseinheiten hatte einspielen müssen, zum Finalturnier nach Berlin. So war Platz zwölf keine Überraschung. „Das war bitter. Aber sportlich waren wir nicht mehr konkurrenzfähig“, blickt Lipps zurück. Das Thema war für ihn mit Abschluss des Länderpokals aber nicht erledigt. In den Heimatvereinen der kiffenden Spieler – betroffen waren die SG Pforzheim/Eutingen, die SG Kronau/Östringen sowie die HG Oftersheim/Schwetzingen – begann nun die schwierige Aufarbeitung. Viele Gespräche wurden geführt: mit allen Verantwortlichen im Verein, mit Spielern, mit Eltern. „Ein enorm schwieriges Thema. Wir hatten ja keine Erfahrungswerte. Bis dahin hatten wir es nur mit Alkohol und Zigaretten zu tun“, sagt Alexander Lipps und berichtet von manch schlafloser Nacht. In Gesprächen mit Spielern erfuhren die SG-Verantwortlichen, wie weit verbreitet der Cannabis-Konsum unter jungen Leute heutzutage ist: „Uns wurde berichtet, dass es auf vielen Festen und Partys die Möglichkeit zum Kiffen gibt. Und dass auch so etwas wie ein Gruppenzwang existiert“, sagt Lipps. Überrascht wurde der SG-Jugendkoordinator von der Reaktion einiger Eltern, die den Cannabis-Konsum gar nicht als so schlimm empfanden. Beim Pforzheimer Handball-Verein entschloss man sich zum schnellen und konsequenten Handeln. Die durch den Länderpokal entstandene Pause wurde genutzt, um mit den Nachwuchsspielern im Klinikum in Karlsruhe einen Drogentest zu machen. Schließlich steht der Cannabis-Wirkstoff THC auf der Dopingliste. Und zumindest in der A-Jugend-Bundesliga, wo einige der jungen Handballer zum Einsatz kamen, besteht jederzeit die Möglichkeit zum Dopingtest. „Zweite Chance verdient“ Das beruhigende Ergebnis für die SG-Verantwortlichen: Alle getesteten Spieler waren „sauber“. Das soll auch so bleiben. „Es sind junge Leute, die haben natürlich eine zweite Chance verdient. Wir sollten sie nicht wie Aussätzige behandeln. Aber wir sind im Leistungssport. Da haben Drogen nix verloren. Alle Spieler wissen, dass uns nur die Trennung als Konsequenz bleibt, wenn noch einmal etwas vorkommt“, sagt Lipps, der die betroffenen Nachwuchsspieler auch auf ihre Vorbildfunktion für die noch jüngeren Handballer hinwies. Auch bei der SG Kronau/Östringen, dem Nachwuchsleistungszentrum der Rhein-Neckar Löwen mit seinem Jugendinternat, hat man auf den Vorgang reagiert. „Wir haben das intern am klarsten aufgearbeitet“, ist Trainer Klaus Gärtner überzeugt, will darüber hinaus aber öffentlich keinen weiteren Kommentar abgeben. In Kronau/Östringen und Pforzheim geht man aber davon aus, dass es sich nicht um ein spezifisch nordbadisches Problem handelt. In Pforzheim gehen sie mit dem Thema so offen wie möglich um. Bei der SG Pforzheim/ Eutingen gibt es einen Kodex, den alle Talente von der A- bis zur C-Jugend und ihre Eltern unterschreiben. Darin ging es bisher um das Verhalten in der Kabine, in der Halle, im Bus – aber auch um das Auftreten der Eltern auf den Zuschauerrängen. Jetzt wurde der Verhaltenskodex erweitert: um ein Kapitel zum Thema Nahrungsergänzungsmittel, Medikamente – und natürlich Drogen.

 

Autor: Udo Koller

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