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A - Jugend Bundesliga

 

Ein Kommentar von Ulf Meißner

 

 

Wenn sich morgen beim TSV Aufdemland der siebenjährige Kevin zum Handballspielen anmeldet, wird keiner wissen können, ob er nicht der neue Kapitän unserer Nationalmannschaft sein wird. Meldet er sich nicht an, werden wir wissen, dass er es nicht sein wird.

 

 

Die A-Jugend-Bundesliga soll reformiert werden. Statt vier Staffeln mit je zwölf Mannschaften, zwei Staffeln mit zehn Mannschaften oder direkt nach der Hinrunde - ohne Rücksicht auf Heimvorteile und dergleichen - eine Meisterrunde und eine unbedeutende „Beschäftigungsrunde“ für den Rest.

 

Die Belastung für die Spieler ist scheinbar zu groß. Und die Ergebnisse offenbar nicht knapp genug. Bei 22 Saisonspielen soll die Belastung zu groß sein? Ja, weil die Besten auch in den ersten oder zweiten Herrenmannschaften eingesetzt werden. Doch vergeblich sucht man in der DHB-Spielordnung den Passus, wonach A-Jugendspieler sich verpflichtend der Doppelbelastung aussetzen müssen und Jugendnationalspieler insbesondere in den Jugend-Bundesligaspielen eingesetzt werden müssen, in denen der Gegner ohnehin keine Chance hat. Überlastung der Spieler beginnt bei Überlastung der hierfür in den Vereinen Verantwortlichen.

 

Deren Vermögen, Sachverhalte langfristig zu deklinieren, durchaus auch noch Ausbaufähigkeit zu besitzen scheint. So hat es aktuell einen gewissen Charme, die Landesauswahlspieler auf 20 Stützpunkte in Deutschland zu verteilen, um so eine noch effektivere Förderung betreiben zu können.

 

Doch scheinbar haben die Befürworter den kleinen Kevin völlig aus den Augen verloren. Bei dann ungefähr einem Leistungszentrum pro Bundesland wird Kevin einmal sehr weite Wege zum Training zurücklegen müssen. Solange der Führerschein mit zwölf noch Utopie ist, benötigt Kevin arbeitslose Eltern oder solche, die sich einen Chauffeur leisten können.

 

Und nur Romantiker glauben, dass die Vereine, die es dann weder sportlich noch organisatorisch schaffen, Bundesliga zu spielen, die Jugendspieler wie bisher ausbilden. Sind es doch gerade die „Mittelzentren“, die als Sammelbecken und Membran wertvolle Dienste leisten, auch in dem Wissen, die Top-Talente über kurz oder lang zu verlieren - aber auch nur diese. Verliert ein Verein gleich jedes Jahr seine besten drei bis vier Spieler, wer findet sich noch, um den kleinen Kevin professionell auszubilden?

Je weniger TSV Aufdemland es gibt, desto weniger Kevins kommen in den Trichter und desto geringer wird perspektivisch auch die Auswahl an Top-Talenten sein.

 

Es sind doch gerade die kleinen Vereine und „Mittelzentren“, die versuchen, durch Kooperationen mit Kindergärten und Schulen möglichst viele Kevins in den Trichter zu bringen, während die Leistungszentren dank ihrer Strahlkraft erst ab der C-Jugend ihre offenen Arme ausstrecken. Doch wenn nichts mehr in den Trichter kommt, nützen auch die offenen Arme nichts mehr.

 

Denkt an Kevin! Schaltet das Hirn ein! Und lasst die Finger von Reformen, die langfristig dem Handball schaden.

 


Der Kommentator ist Trainer der E-Jugend der SG Pforzheim/Eutingen und findet seine Motivation darin, möglichst viele Spieler in den Grundlagen so auszubilden, dass sie einmal die Chance haben, im eigenen Verein in der jeweils höchsten Jugendliga zu spielen - mit der Perspektive 1. oder 2. Herren.

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